Uli Bendick, Aiki Mira und Mario Franke (Hg.) Am Anfang war das Bild. Hirnkost
Worte und Bilder

Die Idee zu dieser Anthologie hat mich gleich überzeugt: Texte zu bereits vorhandenen Bildern. Leider ist das entstandene Papierbuch recht hochpreisig, so dass ich mich mit dem e-book begnügt habe. Und da muss ich leider sagen, dass das für mich so nicht funktioniert hat. Dass die Bilder schwarz-weiß nicht so toll wirken, hatte ich vorausgeahnt. Dass aber ein Teil der Texte unlesbar sein würde – das hatte ich nicht geahnt. Offenbar hat der Verlag ein Design gewählt, bei dem auch die Schrift Farben hat (aber natürlich kann ich nur erahnen, woran es lag). Auf meinem zugegeben nicht ganz neuen Kindle waren jedenfalls alle Überschriften und alle Kommentare zu den Bildern nicht lesbar. Dass sie vorhanden waren, erkannte ich nur beim Umblättern, da wurde die Schrift kurz sichtbar. Daran hat auch ein Ändern der Einstellungen des Readers nichts geändert. Ich kann also schonmal verraten, dass Überschriften für mich zum Textgenuss beitragen.
Trotz der technischen Herausforderungen hat sich diese Anthologie für mich gelohnt: einige Texte haben mich sehr berührt. Andere trafen nicht meinen Geschmack – oder ich habe sie vielleicht schlicht nicht verstanden.

Ich gebe zu: Ich habe dieses Buch zunächst links liegen gelassen – und zwar wegen des mich nicht ansprechenden Covers. Ich erwartete eine süßliche Romance-Geschichte und die sind gar nicht mein Ding. Dann wurde es aber für den DSFP nominiert – und ich bin froh, dass ich das zum Anlass genommen habe, dann doch einmal reinzulesen.
Eine Kurzgeschichtensammlung rund um das Geld der Zukunft – das klingt spannend, dachte ich. Nach den ersten beiden Geschichten war ich begeistert von dieser Anthologie. Leider lässt die Qualität der Texte danach rapide nach, manche haben sogar massive Fehler (erratisch wechselnde Zeitformen beispielsweise), die in mir die Frage aufwerfen, ob die Texte lektoriert wurden. Manche der Texte scheinen nur aufgenommen worden zu sein, weil sie möglichst absurde Ideen von Zahlungsmitteln der Zukunft präsentieren – gute Geschichten erzählen sie aber nicht. Da wird mit Leben gezahlt, mit Atomen, mit Energie, mit Glas, mit virtuellen Währungen, die automatisch mehr oder weniger werden, oder mit Zeit. Das mag thematisch spannend sein, von einer Kurzgeschichtensammlung erwarte ich aber vor allem Unterhaltung und Anregung.
Um diesen Text bin ich eine Weile herumgeschlichen, bevor ich mich dafür entschieden habe, ihn zu lesen. Denn eigentlich bin ich kein Urban Fantasy Fan und befürchtete, das Ganze sei mir zu süßlich; ich erwartete Elfen und Zwerge und Klischees. Dann kam Yvonne Tunnat und meinte, das sei doch eigentlich Science Fiction – und was soll ich sagen? Ich gebe ihr Recht und bin froh, dass ich diesen Text gelesen habe. Er ist einer meiner Highlights im Jahrgang 2021.

Der Einstieg in diesen Text ist mir leichtgefallen: Ich mochte die Sprache und die Art, wie mich Ruth gleich in den Text warf: Das erste Kapitel beginnt damit, wie der Protagonist Mika vor einem Schaufenster steht und das Objekt seiner Begierde, einen neuen Tablet-PC, bewundert. Dann geht er Erinnerungen spenden und trifft dort eine junge Frau, die eine ehemals sehr enge Freundin von ihm war (Lynn) – an die er sich aber nicht mehr erinnert. So ist das zentrale Konfliktfeld des Textes schon auf den ersten Seiten aufgemacht: Wie viel sind Erinnerungen wert?