Maxim Leo: Wir werden jung sein. Kiepenheuer & Witsch
spannend und unterhaltsam
Leos Schreibstil zog mich schnell in den Text hinein. Flüssig und mit leisem Humor, der sich in eigenwilligen Vergleichen zeigt, enthält dieser Stil alles, was ich schätze. Sprachliche Perlen, die sich nicht zu wichtig machen, Phrasenarmut und dabei eine fließende Leichtigkeit: “Sie wirkte so, als wäre sie jederzeit in der Lage, einhändig hundert Liegestütze zu machen oder einer Schlange den Kopf abzureißen, vielleicht sogar beides gleichzeitig.”
Ich brauchte trotzdem einen Moment, um in den Text einzutauchen, der sich wie ein Kaleidoskop vor mir ausbreitet: Leo zeigt verschiedene Figuren, wieder eine neue Figur und noch eine. Nach einer Weile verstand ich, dass alle unter Herzprobleme leiden, nur um dann mit einer neuen Figur konfrontiert zu werden, deren Herz einwandfrei funktioniert. Zum Glück kehrte Leo irgendwann zu bekannten Figuren zurück und ich fand mich zurecht. Im Zentrum des Textes stehen fünf Figuren, die alle ein neuartiges Medikament genommen haben: zwei Frauen (eine, die Mutter werden möchte und eine ehemalige Profischwimmerin) und drei Männer (ein frisch verliebter Jugendlicher, ein narzisstischer Firmeninhaber und der Forscher, der das Medikament entwickelt und selbst eingenommen hat). Das sind schon viele Stränge, aber Leo entscheidet sich, uns zudem noch eine Ethikerin zu präsentieren, die für die Regierung arbeitet. Auch wenn die verschiedenen Perspektiven gut zusammenkommen, zeigt sich für mich hier doch ein Nachteil: bei 264 Seiten bekommt jede Figur nur wenig Raum, was zulasten der Tiefe geht. Und Tiefe kann das Thema durchaus vertragen. Als sich zeigt, dass das Medikament nicht nur das Herz heilt, sondern zu Verjüngung führt, werden verschiedene Fragen meist in Dialogen beleuchtet: Was bedeutet das für einzelne Personen und deren Leben? Was für die Gesellschaft an sich? Welche gesetzlichen Regelungen braucht es?

Im Vorwort schreiben die Herausgeber*innen über die zunehmende Enge in der Buchbranche, in der sich scheinbar gerade nur eskapistische Romance verkauft. Welchen Platz hat da progressive Phantastik?
Vorwort: 1974 - 2024 - 2049 (Kai Focke und Sabine Frambach)
Fox lebt mit zwei Geschwistern, ihrer Oma, einem Lehrer, einem Koch und ihren Eltern in einem Haus und jeder Tag ist genau gleich: Sie sitzt im Kinderzimmer und liest, isst zu vorgesetzten Zeiten. Nichts Überraschendes passiert. Als Fox ein Buch geschenkt bekommt, dessen Seiten wirklich mit Buchstaben gefüllt sind, entwickelt sie Sehnsucht nach der Welt und macht sich auf die Suche. Die Leere ihrer eigenen Welt füllt sich nach und nach, während Fox immer mehr Person wird.
Yasira und Stefan sitzen beim Date, als Stefan ein Video sieht, in dem eine Jugendliche vergewaltigt wird. Da Yasira beim BKA arbeitet und die Quoten-PoC ist, soll sie den Fall öffentlichkeitswirksam übernehmen. Und Stefan spielt nur noch eine Statistenrolle.
Die phantastisch! Gibt es bereits seit 25 Jahren und sie hat 2024 den ESFS-Award als „Bestes europäisches SF-Magazin“ gewonnen. Ich habe schon einige Ausgaben gelesen und sah mich nie in der Lage, etwas darüber zu schreiben. So ging es mir auch diesmal, weshalb diese Rezension lange lag. Aber ab der Ausgabe 100 erscheint die Zeitschrift nicht mehr bei Atlantis, sondern bei Calliope Media, sie braucht neue Abos und Sie hat ein Spotlight verdient. Daher: Schauen wir mal genauer hin und sehen, was dabei herauskommt.