Christoph Grimm (Hg.). Alien Contagium: Erstkontakt-Geschichten. Eridanus Verlag

Viele verschiedene Erstkontakte

Alien Contagium

 

 

 

Diese Anthologie entstand nach einer Ausschreibung zum Thema Erstkontakt. Im Vorwort wird darauf hingewiesen, dass angesichts der Unzahl an Planeten und Sternen die Existenz außerirdischen Lebens wahrscheinlich sei – dass aber aufgrund der großen Distanzen eine Begegnung mit Außerirdischen enorm unwahrscheinlich ist. Die Texte schildern diese sehr unwahrscheinlichen Begegnungen. Ich werde im Folgenden nur die Geschichten besprechen, die mir gefallen haben.

 

 

Christelle Dabos: Die Spiegelreisenden-Saga. Insel

reicher Leidensweg

Spiegelreisende1

 

 

Die Spiegelreisenden-Saga erzählt in vier jeweils gut 600 Seiten starken Bänden die Geschichte von Ophelia, die in eine Region weit von ihrem Heimatort zwangsverheiratet wird. Ophelia lebt am Anfang der Geschichte bei ihrer Herkunftsfamilie und arbeitet in einem historischen Museum. Sie liebt ihre Arbeit und hat gar keine Lust auf Ehe und Familie, wie es in ihrer Welt erwartet wird. Sie ist eine kleine Frau mit Brille, eine Animistin, die alles belebt, was um sie herum existiert, und die die Fähigkeit hat, Dinge zu „lesen“ - durch Berührung deren Vergangenheit zu erfahren – und durch Spiegel zu reisen. Um sich davor zu schützen, ständig unbeabsichtigt Dinge zu lesen, trägt sie stets Handschuhe. Ophelia hat außerdem eine Einschränkung, die von Dabos als Tollpatschigkeit beschrieben wird: Sie hat nach einem Unfall Schwierigkeiten, ihre Bewegungen zu koordinieren.

 

Ivan Ertlov: Stargazer 5: Fremde Welten. Selfpublishing

Edelster Trash ;)

Stargazer 5Moment mal, werden vielleicht einige von euch denken: Jol hat doch grad erst Band 1 rezensiert, warum kommt nun Band 5? Tja. Ich wollte es einfach probieren: Ob man auch in der Mitte in diese Reihe einsteigen kann. Antwort: Ja, man kann. Aber ich weiß nicht, ob man sollte.
Der Einstieg fiel mir nicht leicht. Obwohl ich den Großteil des Personals aus Teil 1 schon kannte, hatte ich das Gefühl, nicht durchzusehen. Die Crew ist gewachsen und es gibt ein Stargazer-Konsortium, das es vorher nicht gab. Und das Schiff heißt nicht mehr Stargazer (hieß es das je?), sondern Yrhsa.

„Fremde Welten“ beginnt erst einmal plänkelig: Die Crew, bestehend aus dem Menschen und Kommandanten Frank, Metallschmeckerin Bettsy, der Astrotelepathin Dilara, Sturmkommandant Troshk, Advokat Florbsh und dem Schiff Yrsha, hat offenbar das Universum gerettet, ist dabei fast draufgegangen, dann zusammengeflickt worden und erholt sich von den Folgen. Frank ist (warum genau erfährt man hier nicht) kein Mensch mehr und hat damit Privilegien gewonnen. Es gibt Urlaub und Sex – und dann eine neue Aufgabe: Die Crew soll ein Wurmloch untersuchen, das anders ist als alle anderen Wurmlöcher. Hier gibt es wieder jede Menge Technikblabla und dann wird es auch schon rasant – an dieser Stelle habe dann in den Text gefunden. Denn natürlich springt die Crew durch das Wurmloch – und hängt dort prompt fest.

Becky Chambers: Record of a Spaceborn Few. Harper Voyager / Hodder & Stoughton

Erst fängt es ganz langsam an ...

Wayfarer3klein

 

 

Nachdem ich Band 1 und 2 der Serie gelesen hatte, nahm ich nun an, dass ich wüsste, was mich in Band 3 erwartet. Weit gefehlt! Band 3 der Wayfarer-Serie „Record of a Spaceborn Few“ (deutsch: „Unter uns die Nacht“) spielt auf der Asteria, einem Generationenschiff, das Teil der Exodusflotte ist, die vor Generationen die Erde verlassen hat, weil ein Überleben auf ihr nicht mehr möglich war. Nach langer Reise traf die Flotte auf nichtmenschliche vernunftbegabte Spezies und ist inzwischen Teil eines Zusammenschlusses verschiedener Spezies. Zum Zeitpunkt des Romans kreist die Flotte um eine Sonne und wird so gut wie ausschließlich von Menschen bewohnt.

 

 

Tino Falke und Jule Jessenberger (Hrsg.): Sonnenseiten. StreetArt trifft Solarpunk. Müncher Schreiberlinge im SP

 mehr Sonne als Schatten

Sonnenseiten

 

 

 

Nach einem Vorwort zum Genre, das sich vor allem utopischen Sichtweisen verschrieben hat, und zu verwendeten Neopronomen (von denen nicht viele vorkommen), startet der Band mit einem ausführlichen Essay von Alessandra Reß. Reß geht der Geschichte und den verschiedenen Ursprüngen des Genres nach und stellt heraus, dass die vorliegende Anthologie die erste originär deutschsprachige zum Thema ist. Es folgen 22 Kurzgeschichten, von denen ich hier nur die erwähnen möchte, die mir besonders gefallen haben.

 

 

Bernadine Evaristo: Girl, Woman, Other. Penguin Books bzw. btb (deutsch)

irritierend und anregend

maedchen frau etc bernardine evarista 9783608504842Normalerweise rezensiere ich hier ja deutsche Science-Fiction. Heute möchte ich eine Ausnahme machen, denn Evaristos Buch hat mir so viel Nachdenkstoff gegeben, dass ich gern öffentlich darüber schwadronieren möchte. Ich habe das Buch auf englisch gelesen, es liegt aber auch in deutscher Übersetzung vor.

Das Buch hat mir den Einstieg nicht leicht gemacht. Evaristo erzählt die Lebensgeschichten von 11 Frauen und einer nichtbinären Person of Colour, die alle (zumindest zeitweise) in Großbritannien leben. Sie schreibt Satzanfänge klein und verzichtet weitgehend auf Satzzeichen, meistens ist ein Satz eine Zeile. Es dauerte eine Weile, bis ich für mich verstanden hatte, dass ich den Text genießen kann, wenn ich ihn so lese, als würde mir jemand den Text erzählen. In der Tradition von oral history hatte ich die fiktiven Stimmen der Erzählenden im Ohr, die ganz unterschiedliche Facetten von Leben in Großbritannien aufblättern: da sind Bildungsaufsteiger*innen, da ist die Generation der Einwandernden, da sind Leute, die sich gerade über Wasser halten und Leute, die sehr wohlhabend sind. Besonders spannend war für mich der unterschiedliche Blick auf Rassismen und der Umgang damit, wobei jede Person natürlich ihren eigenen Blickwinkel für den einzig wahren hielt. Bei der Benennung von „Marginalisierungs-Olympiaden“, bei denen jede Person versucht, die eigene Marginalisierungserfahrung gegen die anderer Personen auszuspielen, musste ich schmunzeln.

Judith Vogt, Kathrin Dodenhoeft, Lena Richter, Heike Knopp-Sullivan: Queer*Welten 6, 7 und 8. Ach je Verlag

 QueerWelten6 Cover

Die QueerWelten, ein queerfeministisches Science-Fiction- und Fantasy-Zine, verfolge ich schon seit der ersten Ausgabe. Es hat sich zum Ziel gesetzt, marginalisierte Erfahrungen in Texten sichtbar zu machen. Während ich die ersten Ausgaben in Papierform kaufte, habe ich es bei den hier vorliegenden Ausgaben 6, 7 und 8 mal mit den e-books probiert. Ich kann schon verraten: Es hat mich nicht so begeistert. Ich mag die Haptik der Heftchen im A5-Format lieber als das kühle Leuchten meines Readers. In den Zines blättere ich gern und das geht im e-book einfach nicht so gut.

Bis zur Ausgabe 7 erschienen die QueerWelten vierteljährlich im Ach je-Verlag und das Redaktionsteam bestand aus Judith Vogt, Kathrin Dodenhoeft und Lena Richter. Es war ein recht dünnes Heftchen mit Vorwort, drei Kurzgeschichten, einem Essay und dem Queertalsbericht, der auf Veröffentlichungen und Veranstaltungen hinwies.

Ab Heft 8 änderte sich alles. Nun nicht alles, aber doch viel: Der Ach je-Verlag ist nun ein Imprint von Amrûn, so dass die Queer*Welten weiter erscheinen können. Sie  erscheinen nun halbjährlich, mit mehr Texten und Kurztexten in Formaten und zu Themen, die mit jedem Heft wechseln. Dazu gibt es dann jeweils eine Ausschreibung.