Becky Chambers: „Ein Psalm für die wild Schweifenden“ und „Ein Gebet für die achtsam Schreitenden“. Carcosa
gemütliches Wohlfühlbuch

Auf dem Mond Panga haben die Roboter irgendwann, in der Vorzeit, Bewusstsein erlangt. Menschen und Roboter überlegten, wie damit umgegangen werden soll, und es wurde beschlossen, den Mond aufzuteilen: ein großer Teil für die Natur und ein kleiner Teil für die Menschen. Um nicht wieder versehentlich etwas mit Bewusstsein zu schaffen, entschieden sich die Menschen für einen nachhaltigen Lebensstil. Die Roboter dagegen entschieden sich für ein Leben in der Natur. Seitdem hat kein Mensch mehr einen Roboter gesehen.
Das ist die Vorgeschichte der aktuellen Gesellschaftsordnung in Chambers Dex-und-Helmling-Büchern. Chambers malt eine sehr angenehme, utopische Welt, in der die Menschen freundlich zueinander sind und auf die Folgen ihres Tuns achten. Dex, die Hauptfigur, ist ein nichtbinärer Mönch und benutzt das Pronomen ser. Am Anfang der Geschichte wird Dex von einer großen Unruhe gepackt und entscheidet sich, den Beruf zu wechseln. Ser wird Teemönch, eine Art wandernde*r Heilpraktiker*in, und bietet in verschiedenen Dörfern Trost an. Dex wird bald sehr gut in diesem Beruf und wir erfahren etwas darüber, wie die Menschen auf Panga leben und dass es beispielsweise möglich ist, einen Beruf über eine Ausbildung zu erlernen oder sich autodidaktisch durchzuwurschteln.
Irgendwann ergreift Dex wieder diese Unruhe und ser tut etwas ziemlich Gefährliches: Ser lenkt sir Fahrrad in die Wildnis und folgt der Eingebung, nach einem lang verlassenen Ort zu suchen. Und dort, am Rande der Zivilisation, trifft Dex auf Helmling, den ersten Roboter, der sich nach langer Zeit aufmacht, um zu schauen, wie es den Menschen geht.
Die beiden Novellen, von denen die erste unabhängig lesbar ist, erzählen von der Reise der beiden, immer entlang von Helmlings Frage: „Was brauchen die Menschen?“

„Blumen für Algernon“ von 1966 ist einer der Klassiker psychologischer Science-Fiction und wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und immer wieder neu aufgelegt. Ich habe ein schickes Exemplar mit Farbschnitt ergattert: über die blau bemalten Seiten des Buches tanzen Mäuse. Auch auf dem Cover ist eine Maus abgebildet, aber wer hier eigentlich durch das Forschungslabyrinth eilt, ist ein Mensch.
Nachdem ich den ersten Teil der Serie ziemlich genossen habe, bin ich nach kurzer Pause in den zweiten Teil gehüpft. Und wurde herbe enttäuscht. Was im ersten Teil spritzig und abwechslungsreich daherkam, las sich nun repetitiv und oberflächlich. Carl und sein Team, das mittlerweile neben der sprechenden Katze Donut auch den Velociraptor Mongo enthält, metzeln sich durch Horden von Monstern, wobei Carl immer besser darin wird, Dinge in die Luft zu sprengen. Dabei nutzten sich die Gags für mich schnell ab: bemüht witzige und fiese Monster- und Errungenschaften-Beschreibungen, die Tatsache, dass Carl nur mit einer Unterhose bekleidet ist, und immer wieder die Lebensbedrohung, der sie stets nur knapp entgehen.
Leos Schreibstil zog mich schnell in den Text hinein. Flüssig und mit leisem Humor, der sich in eigenwilligen Vergleichen zeigt, enthält dieser Stil alles, was ich schätze. Sprachliche Perlen, die sich nicht zu wichtig machen, Phrasenarmut und dabei eine fließende Leichtigkeit: “Sie wirkte so, als wäre sie jederzeit in der Lage, einhändig hundert Liegestütze zu machen oder einer Schlange den Kopf abzureißen, vielleicht sogar beides gleichzeitig.”
Vorwort: 1974 - 2024 - 2049 (Kai Focke und Sabine Frambach)
Im Vorwort schreiben die Herausgeber*innen über die zunehmende Enge in der Buchbranche, in der sich scheinbar gerade nur eskapistische Romance verkauft. Welchen Platz hat da progressive Phantastik?
Yasira und Stefan sitzen beim Date, als Stefan ein Video sieht, in dem eine Jugendliche vergewaltigt wird. Da Yasira beim BKA arbeitet und die Quoten-PoC ist, soll sie den Fall öffentlichkeitswirksam übernehmen. Und Stefan spielt nur noch eine Statistenrolle.