Judith Vogt, Lena Richter, Heike Knopp-Sullivan (Hrsg.): Queer*Welten 13 - 2024
tolle Microstorys
Im Vorwort schreiben die Herausgeber*innen über die zunehmende Enge in der Buchbranche, in der sich scheinbar gerade nur eskapistische Romance verkauft. Welchen Platz hat da progressive Phantastik?
Das Heft enthält neben fünf Kurzgeschichten und einem Essay 13 „Schattengeschichten“, 13x13 Wörter lange Texte zum Thema Halloween. Nach dem Vorwort bietet „Was soll es bedeuten?“ von Maria Schmiedinghoff eine Reinterpretation der Lorelei-Geschichte, die ich prägnant und gelungen finde. „Wohnungsgespenst“ von Leo Nora Grabner beschreibt die Beziehung zwischen einem Menschen und einem sehr sympathischen Gespenst.
Martina John: Rhizom Reloaded (KG)
In dieser Science-Fiction-Geschichte wollen Ness und Raja ein Appartement überfallen, um mit der Beute einen Weg aus der Armut zu finden. Aber wie das mit „dem großen Coup“ so ist: Natürlich geht er schief.
Ich mochte den gelungenen und dichten Weltenbau der Geschichte, besonders die Idee, dass eine Person mit Pilzmyzel kommunizieren kann. Auch die Rasanz und Spannung sprach mich an. Stilistisch mischt der Text dichte, stimmungsvolle Beschreibungen mit Derbheit und findet dabei eine eigene Sprache und immer wieder Momente zum Innehalten. Schön. Trotz kleiner plastischer Details konnte ich allerdings die Figuren nicht fassen. Das Ende enthält dann einen überraschenden Wechsel, den ich leider nicht kaufe, weil eine „Loop Gun“ für mich innerhalb der gezeichneten Welt keinen Sinn vergibt. Das ist wirklich schade, denn bis zu diesem Ende habe ich den Text ziemlich genossen.

Vorwort: 1974 - 2024 - 2049 (Kai Focke und Sabine Frambach)
Yasira und Stefan sitzen beim Date, als Stefan ein Video sieht, in dem eine Jugendliche vergewaltigt wird. Da Yasira beim BKA arbeitet und die Quoten-PoC ist, soll sie den Fall öffentlichkeitswirksam übernehmen. Und Stefan spielt nur noch eine Statistenrolle.
Die phantastisch! Gibt es bereits seit 25 Jahren und sie hat 2024 den ESFS-Award als „Bestes europäisches SF-Magazin“ gewonnen. Ich habe schon einige Ausgaben gelesen und sah mich nie in der Lage, etwas darüber zu schreiben. So ging es mir auch diesmal, weshalb diese Rezension lange lag. Aber ab der Ausgabe 100 erscheint die Zeitschrift nicht mehr bei Atlantis, sondern bei Calliope Media, sie braucht neue Abos und Sie hat ein Spotlight verdient. Daher: Schauen wir mal genauer hin und sehen, was dabei herauskommt.
Fox lebt mit zwei Geschwistern, ihrer Oma, einem Lehrer, einem Koch und ihren Eltern in einem Haus und jeder Tag ist genau gleich: Sie sitzt im Kinderzimmer und liest, isst zu vorgesetzten Zeiten. Nichts Überraschendes passiert. Als Fox ein Buch geschenkt bekommt, dessen Seiten wirklich mit Buchstaben gefüllt sind, entwickelt sie Sehnsucht nach der Welt und macht sich auf die Suche. Die Leere ihrer eigenen Welt füllt sich nach und nach, während Fox immer mehr Person wird.
Stell dir vor, du könntest nicht mehr unerkannt lügen. Diese Grundidee beschäftigt mich seit Jahren, weshalb sie im Weltenbau von „Das Geflecht“ eine große Rolle spielt. Poznanski hat keinen neuen Sinn, sondern eine Maschine erfunden: den perfekten Lügendetektor. Einhundert Menschen sollen ihn um die Wette verwenden. Wer als längstes durchhält, gewinnt fünf Millionen Euro.