Kai Focke und Sabine Frambach (Hrsg.) Campus 2049. Hochschule der Zukunft. Eine Science-Fiction-Anthologie. Oldib
nichts als KI?
Vorwort: 1974 - 2024 - 2049 (Kai Focke und Sabine Frambach)
Wir erfahren, dass die Hochschule Mannheim die phantastische Bibliothek Wetzlar nutzt, um Zukunftsforschung zu betreiben, was ich enorm spannend finde. Die Anthologie entstand angesichts des 50jährigen Jubiläums der Hochschule.
Esther Geißlinger: Die erste ihrer Art
Eine Person eilt in SF-Siebenmeilenstiefeln über den Campus, dabei brummt und zirpt ihre Brille. Sie ist fast zu spät zu einer Prüfung gekommen. Die Prüfungskandidatin aber kommt noch später an.
Die Prüfung einer KI auf Menschlichkeit ist ein beliebtes Thema in der SF. Geißlinger greift keine bekannten Tests auf, sondern erfindet einen neuen, wobei die Getestete nicht das Vorhersehbare tut, sondern sich einen eigenen Umgang mit dem Test überlegt: Sie spielt. Das Problem mit dieser im Text präsentierten Lösung ist, dass weder ich als Leserens noch das Testkomitee entscheiden kann, ob die KI spielt oder nur ein Spiel simuliert. Dieses Problem greift der Text leider nicht auf und überzeugt mich daher weder sprachlich noch inhaltlich. Auf mich wirken die Figuren aufgrund ihrer geringen Ausgestaltung wie Token-Diverse und emotional lässt der Text mich kalt. Witzig finde ich die Sache mit der Prüfung in einer virtuellen Umgebung, bei der aber alle real anwesend sein müssen – hier hätte man aber noch die Frage aufwerfen können (müssen?) was reale Anwesenheit für eine KI bedeutet.

Yasira und Stefan sitzen beim Date, als Stefan ein Video sieht, in dem eine Jugendliche vergewaltigt wird. Da Yasira beim BKA arbeitet und die Quoten-PoC ist, soll sie den Fall öffentlichkeitswirksam übernehmen. Und Stefan spielt nur noch eine Statistenrolle.
Fox lebt mit zwei Geschwistern, ihrer Oma, einem Lehrer, einem Koch und ihren Eltern in einem Haus und jeder Tag ist genau gleich: Sie sitzt im Kinderzimmer und liest, isst zu vorgesetzten Zeiten. Nichts Überraschendes passiert. Als Fox ein Buch geschenkt bekommt, dessen Seiten wirklich mit Buchstaben gefüllt sind, entwickelt sie Sehnsucht nach der Welt und macht sich auf die Suche. Die Leere ihrer eigenen Welt füllt sich nach und nach, während Fox immer mehr Person wird.
Stell dir vor, du könntest nicht mehr unerkannt lügen. Diese Grundidee beschäftigt mich seit Jahren, weshalb sie im Weltenbau von „Das Geflecht“ eine große Rolle spielt. Poznanski hat keinen neuen Sinn, sondern eine Maschine erfunden: den perfekten Lügendetektor. Einhundert Menschen sollen ihn um die Wette verwenden. Wer als längstes durchhält, gewinnt fünf Millionen Euro.
Die phantastisch! Gibt es bereits seit 25 Jahren und sie hat 2024 den ESFS-Award als „Bestes europäisches SF-Magazin“ gewonnen. Ich habe schon einige Ausgaben gelesen und sah mich nie in der Lage, etwas darüber zu schreiben. So ging es mir auch diesmal, weshalb diese Rezension lange lag. Aber ab der Ausgabe 100 erscheint die Zeitschrift nicht mehr bei Atlantis, sondern bei Calliope Media, sie braucht neue Abos und Sie hat ein Spotlight verdient. Daher: Schauen wir mal genauer hin und sehen, was dabei herauskommt.
Zwischen Russland und China erstreckt sich das Ödland: eine geheimnisvolle Region, in der sich die Lebewesen verändert haben. Sie ist mit einer hohen Mauer abgesperrt und nur ein Verkehrsmittel fährt hindurch, um Europa und Asien zu verbinden: der Zug. Luftdicht abgeschottet und gut bewacht, rast er durch das Ödland, transportiert Waren, Menschen und deren Vorräte, damit sie die dreiwöchige Reisezeit überstehen. Im Zug gibt es eine erste und eine dritte Klasse, warum die zweite fehlt, weiß niemand.