Bollhöfener: phantastisch! Ausgabe 96 4/2024. Atlantis
Phantastische Mischung
Die phantastisch! Gibt es bereits seit 25 Jahren und sie hat 2024 den ESFS-Award als „Bestes europäisches SF-Magazin“ gewonnen. Ich habe schon einige Ausgaben gelesen und sah mich nie in der Lage, etwas darüber zu schreiben. So ging es mir auch diesmal, weshalb diese Rezension lange lag. Aber ab der Ausgabe 100 erscheint die Zeitschrift nicht mehr bei Atlantis, sondern bei Calliope Media, sie braucht neue Abos und Sie hat ein Spotlight verdient. Daher: Schauen wir mal genauer hin und sehen, was dabei herauskommt.
Die (oder das?) phantastisch! versteht sich, so steht es auf dem Cover, als „Magazin für Science Fiction, Fantasy & Horror“. Es ist reich bebildert und enthält neben drei Kurzgeschichten, einer Mikro-Fiktion und zahlreichen, ausschließlich gut lesbaren, Rezensionen vor allem Artikel und Interviews. Die vorliegende Ausgabe scheint einen Schwerpunkt auf Horror- und Gruselgeschichten zu legen, für die ich mich nicht interessiere. Trotzdem habe ich die Artikel zur Geschichte dieses Subgenres interessiert gelesen. Dabei fiel mir durchweg auf, dass die Artikel sprachlich gut lesbar sind und auch inhaltlich fundiert erscheinen. Das trifft auch auf die anderen Artikel und Interviews zu, in denen es unter anderem um phantastische Kinder- und Jugendliteratur, Klaus Farin und seine Arbeit und phantastische Raritäten geht. Meine persönlichen Highlights waren Jan Niklas Hochfeldts Artikel zur Geschichte der Orks (hier hätte ich mir sogar noch mehr Genauigkeit und Tiefe gewünscht) und Julie Constantins Beitrag über New Weird als Subgenre. Plus Horst Illmers Artikel über mein „Etomi“, der mich natürlich enorm gebauchpinselt hat.



Zwischen Russland und China erstreckt sich das Ödland: eine geheimnisvolle Region, in der sich die Lebewesen verändert haben. Sie ist mit einer hohen Mauer abgesperrt und nur ein Verkehrsmittel fährt hindurch, um Europa und Asien zu verbinden: der Zug. Luftdicht abgeschottet und gut bewacht, rast er durch das Ödland, transportiert Waren, Menschen und deren Vorräte, damit sie die dreiwöchige Reisezeit überstehen. Im Zug gibt es eine erste und eine dritte Klasse, warum die zweite fehlt, weiß niemand.
Stell dir vor, du könntest nicht mehr unerkannt lügen. Diese Grundidee beschäftigt mich seit Jahren, weshalb sie im Weltenbau von „Das Geflecht“ eine große Rolle spielt. Poznanski hat keinen neuen Sinn, sondern eine Maschine erfunden: den perfekten Lügendetektor. Einhundert Menschen sollen ihn um die Wette verwenden. Wer als längstes durchhält, gewinnt fünf Millionen Euro.
Im Berlin unserer Jetztzeit breitet sich ein bislang unbekanntes Gras aus und wächst und wächst und wächst. Worüber sich die Menschen zunächst freuen, scheint doch die Natur dem Klimawandel zu trotzen, entwickelt sich mehr und mehr zur Katastrophe: Straßen und Gehwege werden unpassierbar, die Logistik bricht zusammen.