Martha Wells: Murderbot-Diaries 2: Artificial Condition. Tor Books.

 

witzig, spannend, herzerweichend

 

Wer meine Rezension zum ersten Teil der Murderbot-Diaries gelesen hat, weiß es: Ich bin ein großer Fan dieser Reihe. Selten haben mich Bücher so bewegt, so gepackt und berührt. Und wie auch schon bei der ersten Novelle, war es auch bei dieser: Ich bin gern und schnell in diese düstere Welt eingetaucht, in der das Mensch-Maschinen-Konstrukt, das sich selbst Murderbot nennt, herauszufinden versucht, warum es eigentlich keine funktionierenden Überwachungsroutinen hat. Neben dieser Suche nach der eigenen Vergangenheit und der Frage, ob es nun ein Massenmörder ist oder nicht, spielt die sich entwickelnde Freundschaft mit einer Schiffs-KI eine zentrale Rolle. Wie die Beziehung zwischen den beiden beschrieben ist, ist für mich auch beim zweiten Lesen sehr berührend: Das Schiff mit seinen Möglichkeiten wirkt auf Murderbot so bedrohlich, dass Murderbot kaum glauben kann, dass ihm da wirkliche eine Freundschaft angetragen wird – eine Erfahrung, in der sich sicher mancher Mensch wiederfinden kann, dem Nähe schnell zu viel wird.

Madeline Miller: Circe. Little, Brown and Company

eine süße Qual

Circe cover

 

Griechische Mythologie aus der Sicht der Nymphe Circe, Tochter von Helios und Perse – Menschen, die griechische Sagen lieben, werden daran ihre Freude haben. Ich gebe zu, ich bin keine:r davon und habe mich anfangs ziemlich schwer getan. Circe rückte mir sehr lange nicht wirklich nahe, ich empfand sie als so emotionslos und flach-naiv, dass ich sie nur schwer aushalten konnte. Auch die Sprache war nicht wirklich meins: Miller ergeht sich in ausufernden Beschreibungen der kitschig-überladenen Götterwelt, die zwar sprachlich gelungen sind, mein Interesse aber wenig wecken konnten, weil sie nichts zur Handlung beitragen. Aber nach den ersten Kapiteln hatte das Buch mich am Haken und die Spannung zog mich so sehr hinein, dass es zu einem Pageturner wurde, dessen Ende mich mit der erzählten Geschichte versöhnt hat.

 

 

Philip Pullman: Der goldene Kompass. Heyne / Carlsen

 

auf spannende Art „alles falsch gemacht“

 Der goldene Kompass Cover

Ich habe es selten erlebt, dass ich so viel an einem Buch zu meckern hatte und es trotzdem mit so viel Freude las. Pullman hat eine spannende, detailreiche Welt geschaffen, die mich in ihren Bann zog. Und gleichzeitig macht er scheinbar alles falsch, was beim Schreiben nur falsch gemacht werden kann. Warum funktioniert es trotzdem? Ich versuche, dem nachzugehen. Leider kann ich das nicht, ohne zu spoilern, also sei hier gewarnt. Diesmal verrate ich das Ende. Jedenfalls ungefähr.

 

 

 

Queer*Welten 1 bis 3. Ach je Verlag.

Eine Bereicherung für die Fantastikwelt

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Queer*Welten ist ein seit 2020 vierteljährlich im Ach Je Verlag erscheinendes Heft, das sich um queere Fantasy dreht. Es enthält Fachartikel, Veranstaltungshinweise, Rezensionen und Kurzgeschichten und gerade ist die vierte Ausgabe erschienen.

 

 

Marie Grasshoff: Neon Birds. Lübbe Verlag

Spannend aber ohne Tiefe

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„Supersoldaten kämpfen gegen Zombie-Cyborgs“ so beschreibt Grasshoff die Grundidee des Buches in der Danksagung. Hätte ich das vorher gewusst, ich hätte die Finger davon gelassen. Denn der Halbsatz beschreibt das Buch gut. Es ist wie einer der Actionfilme, die überall verfügbar sind: Spannung, Spannung, Spannung aber flache Charaktere und ein Plotloch am nächsten.

 

 

 

   

Celeste Ng: Litte Fires Everywhere. Penguin Books.

 

Atmosphärisch dicht und spannend

 

Eine total durchgeplante Gesellschaft, in der es eine Strafe nach sich zieht, wenn ich vergesse, meinen Rasen zu mähen – für mich war klar, das ist ein fantastisches Werk. Dieser Eindruck hielt während des Lesens zunächst an: Der Ort und die Familie schienen mir zu überspitzt, um real zu sein. Aber nach und nach wurde die gezeichnete Welt dann immer realistischer.

Katherina Ushachov: Stahllilie und der mechanische Löwe. Littera Magia

Interessante Geschichte, die (zu?) viel offen lässt.

 Stahllilie Cover

Eine Science-Fiction-Novelle in einem Independent-Verlag  – das weckte mein Interesse. Auch das Cover sprach mich an. Der Titel jedoch wirkt auf mich verwirrend , klingt er doch eher nach Märchen, als nach SciFi. Und diese Verwirrung ließ beim Lesen nicht nach, denn Stahllilie bricht mit einigen Konventionen, nicht nur des Genres.