Marc-Uwe Kling: Views. Ullstein.
humorvoll und spannend
Yasira und Stefan sitzen beim Date, als Stefan ein Video sieht, in dem eine Jugendliche vergewaltigt wird. Da Yasira beim BKA arbeitet und die Quoten-PoC ist, soll sie den Fall öffentlichkeitswirksam übernehmen. Und Stefan spielt nur noch eine Statistenrolle.
Der klare, sehr spannende Handlungsbogen, trieb mich von Seite zu Seite und saugte mich schnell ein. Der Kling-typische, oft etwas kalauerige Humor brachte mich zuverlässig zum Lachen und machte besonders Dialoge zu einem Fest. Klings Figuren bekommen dabei meisterhaft individuelle Stimmen, allerdings verlieren sich die Dialoge für meinen Geschmack mitunter auch etwas zu sehr in Klamauk. Kling liefert wie immer treffende Beobachtungen und Formulierungen der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Debatten, die sich hier vor allem um Migration und nicht weiße Deutsche drehen. Denn die vergewaltigte Jugendliche ist weiß und die Täter Schwarz.
Kling beschreibt eindrücklich, wie sich anhand des viral gehenden Videos die Spaltung zwischen linken und rechten politischen Lagern zuspitzt, bis hin zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Auf der individuellen Ebene wird beschrieben, wie Personen damit umgehen, wenn Yasira sie humorvoll-bissig auf ihre verinnerlichten Rassismen hinweist, welche eigenwilligen und stellenweise schmerzhaften Interaktionen entstehen, wenn alle die Guten sein wollen, und wie moralische Überheblichkeit Verbundenheit verhindern kann.

Fox lebt mit zwei Geschwistern, ihrer Oma, einem Lehrer, einem Koch und ihren Eltern in einem Haus und jeder Tag ist genau gleich: Sie sitzt im Kinderzimmer und liest, isst zu vorgesetzten Zeiten. Nichts Überraschendes passiert. Als Fox ein Buch geschenkt bekommt, dessen Seiten wirklich mit Buchstaben gefüllt sind, entwickelt sie Sehnsucht nach der Welt und macht sich auf die Suche. Die Leere ihrer eigenen Welt füllt sich nach und nach, während Fox immer mehr Person wird.
Die phantastisch! Gibt es bereits seit 25 Jahren und sie hat 2024 den ESFS-Award als „Bestes europäisches SF-Magazin“ gewonnen. Ich habe schon einige Ausgaben gelesen und sah mich nie in der Lage, etwas darüber zu schreiben. So ging es mir auch diesmal, weshalb diese Rezension lange lag. Aber ab der Ausgabe 100 erscheint die Zeitschrift nicht mehr bei Atlantis, sondern bei Calliope Media, sie braucht neue Abos und Sie hat ein Spotlight verdient. Daher: Schauen wir mal genauer hin und sehen, was dabei herauskommt.
Zwischen Russland und China erstreckt sich das Ödland: eine geheimnisvolle Region, in der sich die Lebewesen verändert haben. Sie ist mit einer hohen Mauer abgesperrt und nur ein Verkehrsmittel fährt hindurch, um Europa und Asien zu verbinden: der Zug. Luftdicht abgeschottet und gut bewacht, rast er durch das Ödland, transportiert Waren, Menschen und deren Vorräte, damit sie die dreiwöchige Reisezeit überstehen. Im Zug gibt es eine erste und eine dritte Klasse, warum die zweite fehlt, weiß niemand.
Stell dir vor, du könntest nicht mehr unerkannt lügen. Diese Grundidee beschäftigt mich seit Jahren, weshalb sie im Weltenbau von „Das Geflecht“ eine große Rolle spielt. Poznanski hat keinen neuen Sinn, sondern eine Maschine erfunden: den perfekten Lügendetektor. Einhundert Menschen sollen ihn um die Wette verwenden. Wer als längstes durchhält, gewinnt fünf Millionen Euro.
Im Berlin unserer Jetztzeit breitet sich ein bislang unbekanntes Gras aus und wächst und wächst und wächst. Worüber sich die Menschen zunächst freuen, scheint doch die Natur dem Klimawandel zu trotzen, entwickelt sich mehr und mehr zur Katastrophe: Straßen und Gehwege werden unpassierbar, die Logistik bricht zusammen.